Mobbing - Eskalation am Arbeitsplatz

In unserer Ellenbogengesellschaft wird auch und gerade im Job immer rücksichtsloser miteinander umgegangen. Vor einigen Jahren war man noch ein Team, heute nennt man sich so. Es wird einem nach Aussen hin die heile Welt vorgegaukelt, die bittere Wahrheit jedoch ist, dass immer mehr Menschen drastische Probleme an ihrem Arbeitsplatz haben. Keine sachlichen Diskussionen, sondern eher sind Schikanen, Intrigen, Ausgrenzungen bis hin zu körperlichen Bedrohungen an der Tagesordnung, mit den daraus resultierenden individuellen und gesundheitlichen Folgen.

Fast jeder Arbeitnehmer ist im Laufe seines gesamten Erwerbslebens in irgend einer Form von Mobbing betroffen. Es kann hier im wahrsten Sinne des Wortes von Opfern gesprochen werden. Denn was ist eigentlich Mobbing? Es gibt hierüber keine eindeutige gesetzliche Definition, aber im Grunde nichts anderes als seelische Gewalt gegen einen Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg. Wo fängt Mobbing an? Eine unpassende Bemerkung eines Kollegen dürfte da noch nicht unter den Begriff Mobbing fallen. Sachliche und zielführende Kritik ebenso wenig. Wenn man jedoch über einen langen Zeitraum von immer den selben Personen verbal angegriffen wird, kann man durchaus schon von Mobbing sprechen. Wird die Arbeitsleistung ständig kritisiert, man bekommt Drohungen mündlicher oder schriftlicher Art, man wird wie Luft behandelt, es wird schlecht über einen gesprochen, man wird verspottet, die Stimme oder Gesten der Person werden imitiert usw., dann hat man typische Mobbingmerkmale vorliegen.

Weshalb tun Kollegen oder gar der Chef so etwas? Einerseits können es private Gründe aber auch betriebliche Gründe sein. Arbeitsplatzabbau oder mangelnde Kompetenz der Vorgesetzten. Aber auch Neid, Eifersucht, Konkurrenzdenken und auch aus Angst selbst gemobbt zu werden, aus Gruppenzwang. Was tun, wenn man betroffen ist und in einer scheinbar ausweglosen Tretmühle festsitzt? Meist wird sich mit sich häufenden Krankschreibungen über Wasser gehalten. Nur ist mit dem ersten Arbeitstag danach wieder alles beim Alten. Viele geben den Tipp zum Personalrat zu gehen. Er ist verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren und dem Betroffenen zu helfen. Was aber tun, wenn die Mobber in dem selbigen sitzen? Häufig ist der Personalrat auch einfach nur ratlos und weiss mit einer solchen Situation nicht umzugehen. Hier ist Fingerspitzengefühl und Kompetenz gefragt.

Die endlosen Gespräche mit dem Partner führen da auch nicht weiter. Kündigen? Bitte nur, wer nahtlos einen neuen Job hat. Denn sonst muss man womöglich mit der Arbeitsagentur wegen einer Sperrzeit diskutieren. Ob der Arbeitsvermittler glaubt oder begreift, in welcher psychischen Verfassung man ist, hängt sehr häufig von deren Kompetenz und Tagesform ab. Vor Gericht auf Abfindung klagen? Dazu braucht man ein dickes Fell und Beweise. Wer also klagen will, sollte in jedem Fall ein gut dokumentiertes Mobbingtagebuch führen. Es gibt bisher auch nur recht wenige Gerichtsurteile bezüglich Mobbing, auf die man sich berufen könnte. Wer hat denn letztlich den Mut zu klagen oder zu kündigen?

Oftmals harrt man doch aus und wartet. Auf was, weiss man selbst nicht. Man hangelt sich so von einem Tag zum anderen. Wer Mobbing in seiner reinsten Form erlebt, ist nicht in der Lage zu kämpfen. Da fühlt man sich kleiner als ein Fingerhut. Bevor Sie sich also voller Unsicherheit vor Gericht stellen oder die Kündigung beim Chef auf den Tisch knallen, sollten Sie vielleicht versuchen, einen anderen Weg zu finden. Wenn Sie einfach kündigen, werden Sie die Konflikte aus der alten, verhassten Arbeitsstelle höchstwahrscheinlich, wenn auch unbewusst, auf den neuen Job projezieren. Den ganzen Hass und die Unsicherheit schleppen Sie als Altlast aus der Firma mit. Der gewonnene Gerichtsstreit ist dann nur ein kleines Pflaster auf Ihrer Seele.

Also nehmen Sie die Stolpersteine die Ihnen in den Weg geworfen werden und bauen Sie damit eine feste Mauer um sich auf. Nicht um sicher dahinter zu verstecken, nein, eine Mauer um sich zu stärken. Wenn Sie sich vom Personalrat nicht verstanden oder ernst genommen fühlen, gehen Sie zu einer Beratungsstelle, die Ihnen rechtlich und persönlich helfen kann.

Jeder ist sich selbst der nächste und wer ein schwaches Nervenkostüm hat, bleibt auf der Strecke. Man nimmt an, die Menschheit habe sich weiterentwickelt, seit wir aus den Wäldern kamen und anfingen unseren Verstand zu gebrauchen. In gewissen Situationen setzt er wohl einfach aus.

"Der Neidische wird ärmer, wenn er andere reicher werden sieht"
Christian Friedrich Hebbel


2004 by Daniela Freund

24.3.09 18:41

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