Ellenbogengesellschaft

Gesellschaft? In den letzten Jahren ist daraus eine kaltschnäuzige, egoistische Massenansammlung von frustrierten, vom Leben gebeutelten Menschen geworden. Von Menschlichkeit ist leider nur noch ein kleiner, erbärmlicher Rest geblieben. Dieser Rest ver- sucht sich zäh zu halten und zu überdauern wie ein eiternder Pickel, den man versucht auszuquetschen und loszuwerden. Nur noch umgeben von scheinheilig freundlichen Personen, die einem den nicht mehr vorhandenen letzten Cent aus der Tasche nehmen wollen. Menschlichkeit ist zu einer Schwäche in Augen derer geworden, die ihre Mitmenschen erbarmungslos unter- buttern. Wer still hält, hat verloren und vegetiert fortan vor sich hin. Nach Aussen hin spielt Vater Staat den barmherzigen Samariter. Aber nach Dienstschluss wird gemeinschaftlich um den großen Geldtopf getanzt: "Ach wie gut, dass niemand weiss...". Da die "Großen" Vorbild sind, ist man der Auffassung, nur so funktioniere es im Leben. Ausbeutung und Schonungslosigkeit als Lebensziel!? Und der Nach- wuchs? Völlig irritiert schlägt er den selben vorgelebten Weg ein. Einige wenige schauen hinter diesen scheinheiligen Vorhang und kehren der Gesellschaft entsetzt den Rücken. Das sind dann oftmals die Menschen, die man mit angewidertem Blick auf öffentlichen Plätzen oder Parkanlagen wiederfindet. Schwarz gekleidet oder giftig bunt gefärbte Haare als Zeichen der Abscheu gegen unsere Gesellschaft. Sie werden aus Einkaufszentren und vor Ladenlokalen ver- scheucht, um die bröckelnde Fassade unseres Landes zu verbergen und die Illusion eines funktionierenden Staates aufrecht zu erhalten. Dabei begreifen wir nicht, dass diese Menschen nur das Spiegelbild unseres eigenen gesellschaftlichen Denkens und Handelns sind. Diese abwertend als Randgruppe bezeichneten Men- schen werden immer mehr. Sie haben bemerkt, dass wir uns gesellschaftlich nicht vorwärts sondern rückwärts bewegen. Eines Tages werden wir wohl wieder so enden wie unsere Vorfahren einst begannen. Mit Lendenschurz und Keule, wild schreiend durch die Wälder rennend, auf der Suche nach Nahrung. Oder sollten wir etwa für den einsamen Cent in der lose schlackernden Jogginghose doch dankbar auf den Knien rutschen? Ja, vielleicht. Aber weniger aus Dankbarkeit, eher aus Verzweiflung oder bittend vor dem Amt.

"Wir gleichen den eingefangenen Elephanten, die viele Tage entsetzlich toben und ringen, bis sie sehen, daß es fruchtlos ist, und dann plötzlich gelassen ihren Nacken dem Joch bieten, auf immer gebändigt."
Arthur Schopenhauer

 

24.3.09 19:06

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